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1.

Alles, aber auch alles muss gerettet werden.
Mit Geld.
Mit dem Geld der Gemeinschaft.
Und was bekommt man zurück?
Was bleibt denn, selbst wenn man es schafft 45 Jahre einzubezahlen?
Nicht viel.
Die Großen und Mächtigen dieser Welt haben den Kuchen doch schon längst unter sich aufgeteilt.
Wenn unsereins einen Fehler begeht, wenn ein Brötchen in einer Bäckerei entwendet wird oder auch nur ein Pfandbon auf den eigenen Namen eingelöst wird, oder wie in meinem Fall beim Werksausgang ein paar Ohrstöpsel, die versehentlich in meiner Tasche gelandet sind, entdeckt werden, dann zieht das große Kreise.
Dann ist das Vertrauensverhältnis zerstört.
Dann ist die Basis der Zusammenarbeit zerstört.
Dann bekommt man die Kündigung.
Und man hat jegliches Recht auf eine Abfindung verwirkt.
Wenn ein Chef, ein Manager einer Bank ,das Geld von Kleinanlegern in Risikopapiere anlegt bekommt er zunächst Boni, für die ersten Gewinne die kommen, die Provisionen für den Abschluss.
Und wenn dann die ganze Misere bekannt wird ,wenn herauskommt, dass er Milliarden in den Sand gesetzt hat?
Dann ist auch die Basis für eine Zusammenarbeit zerstört und er nimmt bei seinem Abgang noch ein paar Milliönchen mit.
Wo ist denn das gerecht?
Wenn ein hoher Politiker alle belogen hat und neben seinen hohen Einkünften auch noch die Hand bei privaten Investoren aufhält, dann wird er vorzeitig entlassen und bekommt danach auf Lebenszeit einen Hofstaat und einen Ehrensold.
Einen Ehrensold!
Was bitteschön ist daran noch ehrenhaft?
Aber ich werde nun nicht mehr stillhalten.
Was bremst die Gier, außer der Angst?
Die Angst sein Leben zu verlieren, oder Schlimmeres…..

2.
Freitag, der 24.Mai 2013

Es regnet unablässig.
Die kleinen Bäche gleichen Flüssen.
Der Main trägt sein Hochwasser über die Ufer, Straßen werden überschwemmt, Keller laufen voll und ich sitze bei einem Gläschen Sekt in meinem Wohnzimmer.
Aufgetakelt bis zum geht nicht mehr, ein leichtes schwarzes Kleid, dass meine Figur besonders gut zur Geltung bringt, schwarze hochhackige Schuhe, die ich unter normalen Umständen niemals angezogen hätte, die Haare auftoupiert und mit einem halben Zentner Schminke in meinem Gesicht.
Ich kenne mich selbst nicht mehr.
Es stellt sich jetzt nur die Frage: „Will ich das wirklich?
Sieht es nicht so aus, als wolle ich mit Gewalt nun auf die Schnelle einen Partner abbekommen?
Zumindest die Idee stammt nicht von mir.
Kollege Wittig ist der Schuldige.
Ich meine ,hier in unserer kleinen Dienststelle des Kommissariats ist es natürlich kein Geheimnis, dass die allseits bekannte Hauptkommissarin Dorothea Hetzel immer noch alleine lebt, von ein paar losen Bekanntschaften einmal abgesehen.
„Mensch Doro, hat er mich eines Tages angesprochen, „kommst du dir nicht auch langsam blöd vor, so einsam durchs Leben zu wandern?
Ich war viel zu perplex um näher darauf einzugehen.
Er wiederum hielt dies wohl für ein Eingeständnis meinerseits und überreichte mir feierlichst eine kleine Broschüre, mit den Worten: „Ich meine es doch nur gut mit dir!
Wenn ich nur daran denke wie viele Menschen es schon gut mit mir meinten, und was am Ende dabei herauskam, läuft mir ein eiskalter Schauer den Rücken herunter.
Aber ich habe mich angemeldet.
Speed Dating!
Was ich mir dabei gedacht habe?
Vermutlich nicht viel.
In einer viertel Stunde beginnt die Veranstaltung und zwar in einer ,auf gut neudeutsch ,Event Galerie.
Ich habe schon ein Taxi bestellt und bin mir noch immer nicht im Klaren, ob ich den Termin nicht doch einfach sausen lasse.
Aber andererseits, was habe ich schon zu verlieren?
Es klingelt.
Ich leere mein Glas, werfe mir noch eine Jacke über, denn wegen des Regens kann es mitunter trotz der Jahreszeit noch recht frisch werden und öffne die Türe.
Der Taxifahrer scheint überrascht.
Er sieht mich an, als wäre ich aus einer anderen Welt.
„Ist irgendwas?, frage ich ihn.
Er ist verunsichert.
„Nein, nein, erwidert er, „ich dachte nur, in dieser Gegend und dann eine Frau wie sie…
„Wenn man ihnen ein paar Kilo Kleister ins Gesicht schmieren würde, sähen sie vermutlich auch noch recht ansehnlich aus.
Damit hebe ich meine Jacke über den Kopf, um meine Frisur zu retten, verlasse das Haus und steige in ein Taxi, dessen Tür man mir bereitwillig aufhält.
Der Taxifahrer fixiert mich durch den Rückspiegel, er ist anscheinend auf Konversation aus.
„Wer ist denn der Glückliche? Wo darf ich sie denn hinfahren?
„Neue Gasse 35, Event Galerie, entgegne ich knapp.
Er ist wenig begeistert.
„Da hab ich grad eben schon mal jemand hingefahren. Jetzt sagen sie bloß noch, sie wollen auch auf dieses Speed Dating?
„Und wenn? Was ginge sie das an?
Sein Blick im Rückspiegel senkt sich.
„Nun ja, eigentlich nichts, ich dachte nur…
„Denken sie nicht! Fahren sie einfach.
Nun endlich tut er wofür ich ihn herbestellt habe. Der Wagen springt leise an, er löst die Handbremse und fährt langsam los. Doch er hat noch immer nicht genug.
„Ich möchte ja nicht unhöflich sein, fängt er wieder ungefragt zu sprechen an, Gibt es denn für sie nicht bessere Möglichkeiten jemanden kennen zu lernen, als ausgerechnet ein Speed Dating?
Ich beginne gedankenverloren aus dem Fenster zu starren. Ausgerechnet ein Taxifahrer versucht mir die Welt zu erklären. Ich beschließe nicht darauf zu antworten.
„Ich meine ja nur. Er ist einfach nicht zu stoppen. „Man kann doch auch einfach so jemanden kennen lernen, da braucht doch jemand wie sie keine solche Veranstaltung.
Ich fange innerlich zu grinsen an, immerhin schaffe ich es noch einen Taxifahrer zu beeindrucken, toll.
„Sie meinen aber jetzt nicht sich selbst, oder?
„Was haben sie gegen Taxifahrer?
„Nichts, solange sie ihre Arbeit tun.
Jetzt ist er still. Zumindest eine Zeit lang. Wir haben gerade das Ortsschild von Schweinfurt erreicht, als er wiederum zu sprechen anfängt.
„Falls das mit diesem Dating nicht klappt, dürfte ich sie dann auf einen Kaffee einladen?
„Einen Kaffee?
„Ganz unverbindlich.
Ich schaue wieder wie unbeteiligt aus dem Fenster und entgegne nichts weiter, während das Auto zu halten kommt. Er steigt aus und hält mir höflich die hintere Wagentüre auf.
„Sie müssen sich ja nicht gleich entscheiden. Fragen sie in der Taxizentrale einfach nach Schorsch.
„Und was bekommen sie von mir?
„Schöne Frauen wie sie fahre ich natürlich umsonst.
Ich nicke, steige aus und bin wieder dabei meine Jacke über meine Frisur zu halten.
Die Galerie ist hell erleuchtet.
Ich spüre noch seinen Blick im Nacken, als ich den nächsten Raum betrete.
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